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Blog Forderungsmanagement

Wenn der Gerichtsvollzieher es eilig hat

Wenn der Gerichtsvollzieher es eilig hat

Horst Fröhlich handelt schon seit Jahren mit Elektronikartikeln und Musikinstrumenten und verleiht Musikanlagen für verschiedene Events. Obwohl eine große Zahl der Kunden schon seit Jahren mit Herrn Fröhlich zusammenarbeiten, ist doch immer wieder der eine oder andere Kunde dabei, der die Rechnungen nicht bezahlt.

Auch wenn ihn die Forderungsausfälle nicht selbst in Zahlungsschwierigkeiten bringen, geht es ihm bei der Verfolgung der Forderungen auch um das Prinzip der Gerechtigkeit.  „Schließlich habe ich meine Arbeit getan und erwarte dann auch meinen Lohn“, meint Herr Fröhlich und wirkt einen Moment sehr ernst auf mich.

Gerade hat er wieder einmal einen Spezialfall, der ihm viel Arbeit bereitet. Seine Forderung beläuft sich auf knapp 350,00€ und ist bereits tituliert. Aber leider war der Schuldner bisher unbekannt verzogen, sodass Herr Fröhlich auch keine Zwangsmaßnahmen einleiten konnte.

Herr Fröhlich erklärt mir in unserem Gespräch, dass Inkasso für ihn auch sehr viel mit Recherche, Geduld und Kreativität zu tun hat. In diesem Fall wusste Herr Fröhlich, dass der Schuldner am Wochenende  als Sänger unterwegs ist. Die Frage war nur, wann würde er wieder auftreten? Und wo? Und wie würde Herr Fröhlich das erfahren?

 

Inkasso mit Hilfe von Google Alerts

Der Versuch macht klug. Er gab den Namen des Schuldners und den Künstlernamen in  Google Alerts ein, denn Google Alerts liefert regelmäßig alle aktuellen Informationen, sobald die Suchbegriffe enthalten sind.

Bereits wenige Wochen später erfuhr Herr Fröhlich von einem neuen, kurzfristigen Auftritt. Er machte den Veranstalter ausfindig und setzte sich mit der Gerichtsverteilerstelle in Verbindung. Ziel war es, einen Gerichtsvollzieher kurzfristig mit der Zwangsvollstreckung auf dieser Veranstaltung zu beauftragen.

 

Der Eilgerichtsvollzieher

Für diese Aufgabe wurde von der Justiz die Funktion des Eilgerichtsvollziehers geschaffen. Besteht also eine hohe Eilbedürftigkeit, kann der Antragssteller den Eilgerichtsvollzieher beantragen. Über die Eilbedürftigkeit entscheidet letztlich der Direktor des zuständigen Amtsgerichts. Aber selbst wenn dieser Antrag abgelehnt wird: Vielleicht können Sie mit dem zuständigen Gerichtsvollzieher vor Ort sprechen und er oder sie hat an diesem Abend noch nichts vor…

 

Mein Inkasso-Tipp

Wird Ihrem Antrag stattgegeben, telefonieren Sie am besten einmal mit Ihrem Gerichtsvollzieher. Vielleicht können Sie ihn zum Termin begleiten? Versuchen Sie in Erfahrung zu bringen, wer genau die Auftraggeber sind. Ist der Schuldner verpflichtet, Ihnen oder dem Gerichtsvollzieher die neue Adresse mitzuteilen? Das Fragen Sie am besten den Profi direkt. Allerdings ist der Schutz des Schuldners sehr hoch. So muss der Schuldner dem Gerichtsvollzieher seinen derzeitigen Arbeitgeber nicht verraten. Das macht die Sache nicht leichter.

 

Herr Fröhlich bleibt wohl am Ball. Einen Teil seines Geldes hat er bereits realisiert. „Ich habe Zeit, schließlich kann ich fast 30 Jahre immer wieder vollstrecken lassen.“

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ulrich Liebscher